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Angenommen, ein Unternehmen sucht einen Forschungspartner für ein Projekt zum Batterierecycling. Der hohe Wert einer Hochschule für Industriekooperationen bringt sie in die engere Auswahl. Bevor die Forschungsleitung ein Team anspricht, muss sie wissen, worauf die Platzierung beruht und ob die Belege zur geplanten Arbeit passen.
Ein Ranking kann Sie auf Einrichtungen aufmerksam machen, die eine nähere Prüfung verdienen. Für die Wahl eines Forschungspartners brauchen Sie Belege zum konkreten Team und Projekt. Meine Empfehlung: Nutzen Sie das Ranking als Ausgangspunkt für die Suche und treffen Sie die Auswahl anhand dieser Belege.
Wann hilft ein Ranking bei einer Entscheidung?
Der Vorwurf, ein Ranking sei „verzerrt“, kann unterschiedliche Einwände verdecken. Ich würde drei Fragen auseinanderhalten.
Erstens: Stimmen die Daten? Eine falsch zugeordnete institutionelle Zugehörigkeit ist ein Datenproblem. Zweitens: Was bewertet die Methode? Die Gesamtzahl von Veröffentlichungen und ihr Anteil am gesamten Publikationsaufkommen beantworten unterschiedliche Fragen. Drittens: Passt diese Frage zu Ihrer Entscheidung? Auch eine sorgfältig gemessene Eigenschaft einer Einrichtung kann für die Auswahl eines Teams unzureichend sein.
Diese Unterscheidung bestimmt, wie weit das Vertrauen in ein Ergebnis reichen sollte. Ein Fehler verlangt eine Korrektur. Eine Gewichtung verlangt eine Begründung und eine Sensitivitätsprüfung. Passt die Messung nicht zur Entscheidung, werden zusätzliche Belege benötigt. Werden alle drei Fälle zu einem allgemeinen Glaubwürdigkeitsproblem zusammengezogen, bleibt der nächste Schritt unklar.
Die Forschung zu Hochschulkooperationen mit Unternehmen hat dieses Messproblem bereits beschrieben. Tijssen, Yegros-Yegros und Winnink verglichen in einer Studie über 750 große, forschungsintensive Universitäten, die anhand ihres Publikationsaufkommens ausgewählt wurden, verschiedene Kennzahlen zu solchen Verbindungen und alternative zusammengesetzte Rankings. Die absolute Zahl gemeinsamer Publikationen und ihr Anteil am gesamten Publikationsaufkommen ergaben unterschiedliche Rangfolgen. Die Autoren empfahlen eine transparente Kennzahlenübersicht mit einzeln auswählbaren Maßen. Dabei sollten größenabhängige und größenunabhängige Kennzahlen getrennt bleiben. Tijssen et al., 20161.
Vernon, Balas und Momani untersuchten eine andere Frage: Können Rankings die Verbesserung von Forschung unterstützen? Ihre Übersichtsarbeit betrachtete 13 Rankingsysteme, die ihre Einschlusskriterien erfüllten, anhand von Ausgaben aus den Jahren 2015 oder 2016. Sie prüften Transparenz, Replizierbarkeit, Konsistenz und die verwendeten Maße. Ihr Fazit: Die bestehenden Indikatoren erfassten Forschungsergebnisse unzureichend. Das ist eine historische Bewertung dieser Systeme für diesen Zweck. Sie belegt weder die Validität eines neuen Index noch den Erfolg einer Unternehmenskooperation. Vernon et al., 20182.
Meine Anwendung dieser Literatur beginnt deshalb mit der Entscheidung: Halten Sie fest, wofür der Rangplatz verwendet werden soll. „Hochschulen mit sichtbarer Forschungsaktivität mit Unternehmen finden“ und „das Team auswählen, das unser Problem am ehesten lösen kann“ verlangen unterschiedliche Belege.
Prüfen Sie Quelle und Version, bevor Sie beurteilen, wie weit sich die Belege übertragen lassen.
Was erfasst ein Kooperationsindex tatsächlich?
Der Industry Collaboration Index 2026 liefert ein aktuelles Beispiel. Seine veröffentlichte Bewertungsmethode nutzt verifizierte gemeinsame Publikationen von Hochschulen und Unternehmen aus den Jahren 2021–2025. Vier Säulen verbinden gemeinsame Wissensproduktion, Beständigkeit, Netzwerkgröße und die Vielfalt der Forschungsfelder der Unternehmenspartner. Die Netzwerksäule berücksichtigt ausdrücklich die Größe.
Die Verifikation der Methode ist nicht fehlerfrei. Die gesicherte Methodik berichtet sowohl über fälschlich beibehaltene als auch über übersehene zutreffende Verbindungen. Die späteren Prüfungen nutzten KI-Unterstützung; eine unabhängige Prüfung durch einen Menschen stand am 11. Oktober noch aus. „Verifiziert“ bezeichnet hier die Einstufung des Herausgebers nach seinen Regeln. Sie garantiert nicht, dass jede institutionelle Zuordnung stimmt.
Die Methodik veröffentlicht außerdem Sensitivitätsbereiche für Rangplätze unter festgelegten Änderungen der Belege und Gewichte. Das sind keine formalen Tests auf gleiche Platzierungen. Sie berücksichtigen auch nicht alle Fehlerquellen, etwa Fehler bei institutionellen Zuordnungen, Unternehmensgruppen oder Branchenklassifikationen. Wenn die Ranglisten vorliegen, prüfen Sie die ausgewiesenen Bereiche zusammen mit den Rankingbestandteilen: Rechtfertigt ein Unterschied der Platzierung eine nähere Untersuchung? Lesen Sie die angegebenen Grenzen zusammen mit jedem Bereich.
Ausgabe 1 erfasst weder vertrauliche Auftragsforschung noch Beratung, Lizenzierung oder Patente. Branchenrankings verwenden eine eigene Formel und Vergleichsgruppe. ICI-Methodik3.
Für Unternehmen ergibt sich daraus ein mögliches Suchsignal: öffentlich dokumentierte gemeinsame Forschung. Zugleich wird die Grenze sichtbar. Ein Team, das überwiegend an vertraulichen Projekten arbeitet, könnte relevant sein, ohne die von dieser Methode erfasste Publikationsspur zu hinterlassen. Diese Möglichkeit muss geprüft werden. Fehlende Belege im gemessenen Bestand beweisen keine fehlende Kompetenz.
Ebenso könnte eine Hochschule ein umfangreiches Industrienetzwerk haben, während das benötigte Team keine Kapazität für ein neues Projekt hat. Die Einrichtung und das vorgesehene Projektteam sind unterschiedliche Bewertungseinheiten. Diesen Schluss vom einen auf das andere würde ich in einem Auswahlgespräch hinterfragen.
Welche Belege sollten auf die engere Auswahl folgen?
Ergänzen Sie die engere Auswahl durch parallele Suchen in einschlägigen Publikationen, Fachnetzwerken und Teamverzeichnissen. Die Aufnahmebedingungen eines Rankings und sichtbare gemeinsame Autorenschaft sollten keine Voraussetzungen dafür werden, ein geeignetes Team zu finden.
Für eine Suche in Deutschland bietet GERiT4 einen konkreten Zugang: Das DFG-Verzeichnis konzentriert sich auf öffentlich finanzierte Einrichtungen in Deutschland und unterstützt die Suche nach Fach, Einrichtungsname oder Ort und zusätzliche Filter. Treffer werden unter ihrer übergeordneten Einrichtung gruppiert.
Mein Vorschlag: Nutzen Sie den Eintrag, um die passende Organisationseinheit zu finden. Fragen zu Methoden, Zugang und verfügbarer Zeit klären Sie anschließend mit dem Team. Der Verzeichniseintrag beantwortet diese Projektfragen noch nicht.
Zurück zum Batterierecycling: Stellen Sie sich vor, eine Hochschule in der engeren Auswahl verfügt über breite Industrieaktivität. Eine andere hat eine kleinere Gruppe mit passenden Methoden und Zugang zur benötigten Pilotanlage. Das sind hypothetische Bedingungen, keine Befunde über benannte Hochschulen.
Ich würde beide Teams am Projektauftrag messen, bevor ich einem einen Vorteil zuschreibe. Die folgende Tabelle ist mein Vorschlag für eine Entscheidungshilfe. Sie ist kein validiertes Modell zur Vorhersage des Kooperationserfolgs.
| Projektfrage | Belege vom Team | Was der Rang offenlässt |
|---|---|---|
| Passt die Fachkompetenz? | Relevante Arbeiten, Methoden, Zugang zu Anlagen | Kompetenz für das konkrete Problem |
| Ist die Arbeit zeitlich möglich? | Benannte Beteiligte, zugesagte Zeit, reservierte Nutzungszeiten | Aktuelle Kapazität |
| Passen die Arbeitsbedingungen? | Datenzugang, Veröffentlichungen, geistiges Eigentum, Zuständigkeiten | Vereinbarkeit der Zusammenarbeit |
| Woran wird Erfolg gemessen? | Forschungsfrage, Meilensteine, Abnahmekriterien, Abbruchgründe | Ergebnis dieses Projekts |
Abbildung 1Vom Rangplatz zu Belegen des Teams
Vier Fragen für die Partnerwahl. Entscheidungshilfe des Autors, keine validierte Erfolgsprognose.
Quelle: Entscheidungshilfe des Autors; hypothetisches Batterierecycling-Projekt.
Eine unbeantwortete Frage sollte in der Auswahlentscheidung sichtbar bleiben. Wird sie durch das Ansehen der Einrichtung ersetzt, entsteht Zuversicht, ohne dass die Unsicherheit geklärt ist.
Wann sollte der Wert der Einrichtung stärker zählen?
Es gibt einen nachvollziehbaren Gegenfall. Sucht ein Unternehmen eine langfristige Beziehung über mehrere Forschungsgebiete hinweg, könnten institutionelle Breite, wiederkehrende Industrieaktivität und das umgebende Netzwerk relevant sein. Bei dieser Suche könnte eine Kennzahl auf Einrichtungsebene näher an der Entscheidung liegen als bei einem einzelnen technischen Projekt.
Der Umfang der Entscheidung bestimmt, welche Belege zählen. Ich würde relevante Rankingbestandteile beibehalten und die zugrunde liegenden Arbeiten prüfen, statt die Gesamtplatzierung als vollständige Bewertung zu behandeln. Ein Branchenblick kann diese Prüfung lenken. Ein Unterschied zwischen Gesamt- und Branchenrang verlangt jedoch eine eigene methodische Erklärung.
Beim Batterierecycling ist der nächste sinnvolle Schritt ein Gespräch über Methoden, Menschen, Zugang und eine klar begrenzte erste Arbeitsaufgabe. Das Ranking erfüllt seinen Zweck, wenn es hilft, dieses Gespräch zu finden. Die Auswahl sollte sich darauf stützen, was das Gespräch und die anschließenden Belege tatsächlich ergeben.
Quellen und Geltungsbereich
Diese Forschungsnotiz betrachtet zwei begutachtete Studien und die am 11. Oktober 2026 gesicherte ICI-Methodik, vor der angekündigten Veröffentlichung der Ranglisten. Die GERiT-FAQ belegt das deutsche Suchbeispiel. Die Notiz prüft den Schluss von einer veröffentlichten Methode auf die Wahl eines Forschungspartners. Sie enthält weder eine Analyse unveröffentlichter Rangplätze noch eine unabhängige Prüfung der ICI-Daten oder eine Schätzung des Kooperationserfolgs.
Quellen
- Tijssen, R. J. W., Yegros-Yegros, A., & Winnink, J. J. (2016). University-industry R&D linkage metrics: validity and applicability in world university rankings. Scientometrics, 109(2), 677–696. https://doi.org/10.1007/s11192-016-2098-8
- Vernon, M. M., Balas, E. A., & Momani, S. (2018). Are university rankings useful to improve research? A systematic review. PLOS ONE, 13(3), e0193762. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0193762
- Global Research Partnerships. (2026). Industry Collaboration Index: Methodology, Edition 1. Gesicherte Fassung vom 11. Oktober 2026. Methodik des Herausgebers
- Deutsche Forschungsgemeinschaft. (2026). GERiT: FAQ. Gesicherte Fassung vom 11. Oktober 2026. Suche und Datenbasis